Der Kongress

Die Auszeichnung hochwertiger Medienproduktionen mit Preisen, die Förderung des Qualitätsjournalismus, die Kritik an der Diskussionsqualität in den sozialen Netzwerken und die Qualitätssicherung algorithmisch kuratierter Plattformen sind nur einige Aspekte einer Diskussion über die Beziehung zwischen Medien und Qualität. Diese spannungsreiche und gesellschaftspolitisch aktuelle Beziehung ist Thema des ersten Kongresses des Grimme-Forschungskollegs an der Universität zu Köln. Der hochrangig besetzte Kongress mit Abendempfang findet statt am 22. September 2022 im KOMED, Köln. Moderiert wird der Kongresstag von dem Wissenschaftsjournalisten, Grimme-Preis-Träger und Fernsehmoderator Gert Scobel.

Am Kongresstag werden die aktuellen und vielfältigen Beziehungen zwischen Medien und Qualität in drei Themensträngen entflochten und in Vorträgen und Werkstätten erörtert: Der Strang „ausgezeichnet“ verweist auf Medienpreise, wie beispielsweise der Grimme-Fernsehpreis und der Grimme Online Award, die seit Jahrzehnten die Qualität von Medienproduktionen im deutschsprachigen Raum hervorheben. „Ausgehandelt“ bedeutet die Vielfalt der Werte und Perspektiven, etwa des journalistischen Systems, der Medienästhetik und des verfassungsrechtlichen Rahmens in einer liberalen Demokratie und schließlich sollen im Strang „ausgerechnet“ Fragen zu Algorithmen gestellt werden, die zunehmend Entscheidungen im Alltag, auch im Hinblick auf den Medienkonsum, prägen.

„Medienqualität hängt damit als Bestimmung eines Medienprodukts von der Kompetenz der Rezipienten ab, das Angebot als qualitativ wertvoll zu rezipieren.“

Matthias Rath (2014)

"Qualität sollte daher als ein historischer und kultureller Aushandlungsprozess interpretiert werden."

Tanja Weber (2020)

„Die Rezipienten und ihre Kommunikations­interessen sollten eigentlich im Zentrum einer differenzierten Diskussion über Qualität in einem marktförmigen Mediensystem stehen.“

Siegfried Weischenberg (2006)

„Der entscheidende Beitrag zur Qualitätssicherung in der öffentlichen Kommunikation wird jedenfalls nicht von der Medienregulierung, nicht von der Medienselbstkontrolle und auch nicht von der publizistischen Medienkritik, sondern in erster Linie vom Publikum geleistet werden können und müssen.“

Julia Serong (2015)

„Qualität im Journalismus definieren zu wollen, gleicht dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln.“

Stephan Ruß-Mohl (1992)

"Die Ausgangslage für einen produktiv-­kritischen Diskurs über die Qualität von Medien ist deutlich komplizierter geworden als noch vor einigen Jahren."

Frauke Gerlach (2020)

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Programm

9:30 – 10:00

Begrüßung  und Tagesmoderation:
  • Gert Scobel (Journalist /Redakteur, Moderator, Prof. für Philosophie und Interdisziplinarität)
Begrüßungsgespräch:
  • Hendrik Wüst MdL (Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen)
  • Prof. Dr. Beatrix Busse (Prorektorin Lehre und Studium an der Universität zu Köln)
  • Dr. Frauke Gerlach (Direktorin des Grimme-Instituts)

10:00 – 10:45

Eröffnungsvortrag:
„Ausgerechnet oder ausgehandelt? Wie wir zu maßvollen Urteilen über Medien gelangen“
  • Prof. Dr. Christoph Neuberger (Freie Universität Berlin, Direktor des Weizenbaum-Instituts)
Ausgerechnet oder ausgehandelt? Wie wir zu maßvollen Urteilen über Medien gelangen

Qualitätsurteile über Medien fallen oft sehr eindeutig und einseitig aus. In den letzten Jahren gab es immer wieder massive Kritik – am öffentlich-rechtlichen Rundfunk, ebenso an Pressemedien („Lügenpresse“). Dies führt regelmäßig dazu, dass sich Positionen im Qualitätsdiskurs verhärten: Generalverdikte auf der einen Seite, Wagenburgmentalität auf der anderen Seite. Wie lässt sich diese Polarisierung und Blockade überwinden? Wie sieht der Weg zu maßvollen Urteilen über Medien aus? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Vortrags, der Ursachen analysiert und Lösungen sucht.

Oft ergibt sich die Schärfe der Kritik aus Missverständnissen über die Qualitätsmaßstäbe, die an Medien anzulegen sind – oder aus ihrer instrumentellen, parteilichen Wahl. Hier müssen die Überlegungen zum Ausgangspunkt zurückführen: Was sollen Medien in der liberalen Demokratie leisten? Wie lässt sich konkreter fassen, was gute Leistungen von schlechten Leistungen scheidet? Wo widersprechen Erwartungen an Medien einander?
Darüber hinaus bestimmen extreme, also skandalöse oder hervorragende Einzelfälle den öffentlichen Eindruck und rücken die Gesamtleistung von Medien in den Hintergrund, die nur systematische Forschung sichtbar machen kann. Es soll daher gezeigt werden, dass beide Sichtweisen notwendig sind und einander ergänzen: der vertiefte Blick auf das einzelne Werk und das diskursive Aushandeln seiner Qualität auf der einen Seite – dafür stehen etwa die Preise des Grimme-Instituts –, das standardisierte Messen und Ausrechnen auf der anderen Seite.
Natürlich müssen für maßvolle Urteile in beiden Perspektiven geeignete Bedingungen herrschen. Dies führt zur dritten Frage, zur Frage nach der Qualität von Qualitätsurteilen: Wie kann sichergestellt werden, dass Medien unvoreingenommen, vielfältig und kompetent bewertet und diskutiert werden? Wie förderlich sind dafür die Voraussetzungen in Rundfunkräten, im Medienjournalismus, in den sozialen Medien, im Rahmen von Medienpreisen oder in der Forschung? Brauchen wir neue Orte des Qualitätsdiskurses über Medien?

10:45 – 11:15

Kaffeepause

11:15 – 11:45

Gespräch: Medienqualität und der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks 
  • Claus Grewenig (Chief Corporate Affairs Officer RTL Deutschland und Vorstandsvorsitzender VAUNET, Verband Privater Medien)
  • Prof. Dr. Leonhard Dobusch (Universität Innsbruck, Mitglied im ZDF-Verwaltungsrat)

11:45 – 12:00

Publikumsdiskussion

12:00 – 12:30

Paneldiskussion: Medienqualität zwischen Preisen, Programmen und Plattformen 
  • Dr. Heike Hupertz (freie Journalistin und freie Fernsehkritikerin, Grimme-Preis Jurymitglied)
  • Prof. Dr. Leonhard Dobusch (Universität Innsbruck, Mitglied im ZDF-Verwaltungsrat)
  • Sabine Frank (Head of Governmental Affairs and Public Policy YouTube)

12:30 – 12:45

Publikumsdiskussion

12:45 – 12:50

Einspieler: Projekte des Grimme-Forschungskollegs

12:50 – 13:00

Zu den Werkstätten
  • Prof. Dr. Karl-Nikolaus Peifer
    (Wissenschaftlicher Direktor am Grimme-Forschungskolleg an der Universität zu Köln)

13:00 – 14:30

Mittagspause

14:30 – 17:00

Parallele Werkstätten: 
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Historische Betrachtung und zukünftige Perspektive

Diese Werkstatt gliedert sich in zwei Teile und wird eine historische (Preishistorie und Archive) sowie eine zukünftige (Qualitätsbegriff, -diskurs und -vermessung) Betrachtung von Qualitätskriterien einnehmen.

Der erste Teil blickt unter besonderer Berücksichtigung der Archivarbeit in die Vergangenheit: Wie lassen sich Archive erschließen und für die Öffentlichkeit zugänglich machen? Und im Speziellen: Wie haben sich Qualitätskriterien entwickelt und was lässt sich aus dieser Veränderung ableiten?

Der zweite Teil thematisiert die Zukunft und Fragen rund um Qualität: Was sind Qualitätskriterien? Welche neuen Qualitätskriterien gibt es, die sich aus neuen Medien(-formen) entwickeln und wie ist das zu beurteilen? Insbesondere kann hier eine Gegenüberstellung mit dem Publikum stattfinden: Was sind aus Rezipierendensicht Qualitätskriterien und wo überschneiden und unterscheiden sich diese mit den Ansichten aus der Branche? Der Blick in die Zukunft soll über Expert:innen hinaus die Perspektive der Zuschauer:innen einfangen und auch die Sichtweisen jüngerer Zuschauender abdecken und vergleichend darstellen.

Referent:innen:

  • Antje Allroggen (Moderation)
  • Klaudia Wick (Preishistorie und Archive)
  • Stefan Udelhofen (Preishistorie und Archive)
  • Dr. Sybille Backmann (Preishistorie und Archive)
  • Thomas Tekster (Preishistorie und Archive)
  • Floriane Azoulay (Preishistorie und Archive)
  • Bernd Hawlat (Preishistorie und Archive)
  • Prof. Dr. Christoph Neuberger (Qualitätsbegriff, -diskurs und -vermessung)
  • Dr. Anna Soßdorf (Qualitätsbegriff, -diskurs und -vermessung),
  • Verena Lammert (Qualitätsbegriff, -diskurs und -vermessung)
Gelungene Diskurse in neuen Öffentlichkeiten

Verständigungsorientierte und gelingende Diskurskulturen sind Antwort auf prekäre Diskursphänomene wie Online Hate Speech, gezielte Desinformation, Propaganda, Interessenskommunikation und ideologische Schließungen.

Gemeinsam mit Akteur:innen aus Wissenschaft, Journalismus und Politik, wollen wir im Anschluss an das Projekt „Fragmentierte Öffentlichkeit“ über verständigungsorientierte und gelingende Diskurskultur im öffentlichen Raum sprechen – vor allem mit Blick auf Online-Kommunikationsräume und neue Öffentlichkeiten: Wie konstituieren sich eben diese im Spannungsfeld zwischen Schließung und Kopplung? Wo sind Grenzen, wo Spielräume, was ist erlernbar, was Haltung? Ziel ist dabei der Perspektivwechsel – weg von Beeinträchtigungen, Fragmentierungen und Limitierungen, hin zu gelingenden Diskurskulturen und verständigungsorientiertem Handeln im öffentlichen Raum.

Referent:innen:

  • Dr. Hubertus Neuhausen, Leiter Universitätsbibliothek zu Köln (Moderation)
  • Aycha Riffi, Leiterin Grimme-Akademie (Moderation)
  • Prof. Dr. Lars Rinsdorf, Hochschule der Medien, Stuttgart
  • Prof. Dr. Stephan Packard, Universität zu Köln
  • Bettina Schmieding, Redakteurin Deutschlandfunk
  • Sven Gantzkow, Teamleiter Social Media der ARD- und WDR-Kommunikation
Big Data und Algorithmen: Digitale Aufklärung in Bildung, Kunst und Qualitätsdiskursen
Wir sind umgeben von datenproduzierenden, -speichernden und -auswertenden Digitaltechnologien und eingebunden in soziotechnischen Rückkopplungsschleifen. Ein kritisches und selbstbestimmtes Leben in dieser „Big Data Welt“ setzt ein grundlegendes Verständnis über die Wirkmechanismen zwischen der individuellen, der sozialen und der digitaltechnischen Welt voraus. In dieser Werkstatt fragen und diskutieren wir, wie eine digitale Aufklärung über Big Data und Algorithmen aussehen kann, und was sie leisten sollte: Welche Perspektiven ergeben sich aus bestehenden Ansätzen für das Bildungssystem und insbesondere für die Lehrer:innenbildung? Welche künstlerischen und kunstpädagogischen Ansätze können fruchtbar sein? Und was bedeutet das Eindringen datengetriebener Strategien in die Qualitätsdiskurse? Referent:innen:
  • Prof. Dr. Benjamin Jörissen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Helmut Klaßen, Bundesarbeitskreis Lehrerbildung e.V. 
  • Shusha Niederberger, Zürcher Hochschule der Künste
  • Viktoriya Olari, FU Berlin, Didaktik der Informatik
  • Lilli Ratzmann, Landesschüler*innenvertretung NRW
  • Ina Sander, Cardiff University / Helmut-Schmidt-Universität Hamburg

17:00 – 17:30

Pause

17:30 – 18:00

Ergebnisse aus den Werkstätten

18:00 – 22:00

Abendempfang und Netzwerken

Grußworte:

  • Prof. Dr. Beatrix Busse (Prorektorin Lehre und Studium an der Universität zu Köln) und
  • Prof. Dr. Stefan Grohé (Vorsitzender des Aufsichtsrats des Grimme-Forschungskollegs und Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln)

Zum Hintergrund

Seit Gründung ist es der erste öffentliche Kongress des Grimme-Forschungskollegs zur transdisziplinären Diskussion über Medienqualität sowie zur Präsentation ausgewählter Projektergebnisse und Gewinnung neuer Impulse für zukünftige Aktivitäten.

Ausführliche Informationen:

Organisatorische Informationen

  • Zeit: 22. September 2022, Einlass ab 9 Uhr,
    Programm: 9:30 bis 18 Uhr mit Mittagspause, im Anschluss Abendessen und Netzwerken bis 22 Uhr
  • Ort: KOMED Zentrum für Veranstaltungen,
    Im MediaPark 7, 50670 Köln
  • Anfahrtwww.komed-veranstaltungen.de/standort/anfahrt/
  • Kontakt: Telefon 02365-9189-65,
    E-Mail: info@grimme-forschungskolleg.de
  • Kosten: Die Teilnahme am Kongress ist kostenfrei.
  • Anmeldung: Die Anmeldung ist geschlossen.
  • Corona-Test: Hinweise zur Vorlage eines tagesaktuellen, negativen COVID-19-Testergebnisses erhalten Sie mit der Anmeldung sowie hier

PERSONEN

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Gert Scobel
Journalist /Redakteur, Moderator

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Hendrik Wüst MdL
Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen

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Prof. Dr. Beatrix Busse
Universität zu Köln

Dr. Frauke Gerlach, Grimme-Institute

Dr. Frauke Gerlach
Grimme-Institut

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Prof. Dr. Christoph Neuberger
FU Berlin, Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft

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Prof. Dr. Karl-Nikolaus Peifer
Grimme-Forschungskolleg an der Universität zu Köln

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Claus Grewenig
RTL Deutschland GmbH

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Prof. Dr. Leonhard Dobusch
Universität Innsbruck,
ZDF-Verwaltungsrat

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Dr. Heike Hupertz
freie Fernsehkritikerin und Kulturjournalistin

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Sabine Frank
Governmental Affairs and Public Policy YouTube

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Prof. Dr. Stefan Grohé
Universität zu Köln

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Kathrin Hollmer
freie Journalistin

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René Martens
freier Journalist

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Lucia Eskes
Grimme-Preis

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Dr. Tanja Weber
Universität zu Köln

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Antje Allroggen
Deutschlandfunk und WDR

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Klaudia Wick
Deutsche Kinemathek

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Stefan Udelhofen
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn

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Dr. Sybille Backmann
Grimme-Preis-Archiv

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Thomas Tekster
Grimme-Preis-Archiv

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Floriane Azoulay
Arolsen Archives, International Center on Nazi Persecution

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Bernd Hawlat
Deutsches Rundfunkarchiv Stiftung von ARD und Deutschlandradio

Dr. Anna Soßdorf
Anna Soßdorf Communication

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Verena Lammert
WDR / Kooperative W

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Dr. Hubertus Neuhausen
Universitätsbibliothek zu Köln

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Aycha Riffi
Grimme-Akademie

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Prof. Dr. Lars Rinsdorf
Hochschule der Medien Stuttgart

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Prof. Dr. Stephan Packard
Universität zu Köln

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Bettina Schmieding
Deutschlandfunk

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Sven Gantzkow
Westdeutscher Rundfunk

Jörissen_250x250_Copyright

Prof. Dr. Benjamin Jörissen
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

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Helmut Klaßen
Bundesarbeitskreis Lehrerbildung (bak)

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Shusha Niederberger
Zürcher Hochschule der Künste

Olari_250x250

Viktoriya Olari
Freie Universität Berlin

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Ina Sander
Cardiff University & Helmut-Schmidt-Universität Hamburg

martin_250x250

Dr. Martin Andree
Universität zu Köln